Zwei Auszeichnungen für sein Werk und Wirken: Wir freuen uns mit Heimo Halbrainer

Gleich zwei namhafte Auszeichnungen darf Heimo Halbrainer in diesen Tagen für sein Werk und Wirken als Zeitgeschichtler wie auch als politischer Bildner entgegennehmen: den Erzherzog-Johann-Forschungspreis des Landes Steiermark 2013 und den Grazer Menschenrechtspreis 2013. Ganz besonders freut es uns, dass Heimo Halbrainer den „Forschungspreis des Landes Steiermark“ für das gemeinsam mit Werner Anzenberger und Christian Ehetreiber 2013 herausgegebene Buchprojekt „Die Eisenstraße 1938 – 1945“ erhalten hat: für seinen allein und sorgfältigst recherchierten zweiten Band „Archiv der Namen. Ein papierenes Denkmal der NS-Opfer aus dem Bezirk Leoben“ wie auch für seine den jeweiligen Forschungsstand repräsentierenden Texte des ersten Bandes. Mit dem „Archiv der Namen“ – Neuland in der Forschung – hat Heimo Halbrainer den von Nazihand Ermordeten im Bezirk Leoben ein bleibendes Erinnerungszeichen gewidmet.

 

Heimo Halbrainer mit seiner Frau Ulrike und dem jüngeren Sohn Lukas

Heimo Halbrainer mit seiner Frau Ulrike und dem jüngeren Sohn Lukas

 

Zeitgeschichte als Medium der politischen Bildung verbindet CLIO mit der ARGE Jugend

Mit Heimo Halbrainer und seinem Verein CLIO verbindet uns eine jahrzehntelange äußerst produktive Zusammenarbeit zu den Themen „Neue Erinnerungskultur an die Opfer von Faschismus und Nationalsozialismus“ und „Demokratie- und Menschenrechtsbildung via Zeitgeschichte“. Die Zusammenarbeit startete mit der ZeitzeugInnenarbeit zum Thema „Widerstand und Verfolgung während der NS-Zeit“ bereits Mitte der 1990er Jahre: Unvergessene Zeitzeugengespräche mit Maria Cäsar, Franz Schick, Max Muchitsch, Franz Leitner, Alfred Setscheny und vielen weiteren faszinierenden Persönlichkeiten des Widerstandes gegen das NS-Regime brachten die weitgehend ausgeblendete Widerstandsgeschichte in Form intergenerativer Dialogveranstaltungen ins Bewusstsein der jüngeren und älteren Generation. Die staunenden Mitwirkenden erfuhren erstmals vom „Todesmarsch ungarischer Jüdinnen und Juden durch die Eisenstraße“ oder vom bewaffneten Kampf der Partisanengruppe Leoben-Donawitz gegen die Nazis.

Die ausgeblendete Geschichte in den Dialog der Generationen einbringen

Die Reihe und die Methode „Jugendliche im Dialog mit ZeitzeugInnen und HistorikerInnen“ gehört zu den tragenden Säulen der politischen Bildungsarbeit des Vereins CLIO wie auch unserer ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus. Das Grundkonzept ist einfach: vor allem jüngere Menschen mit ihren eigenen Fragen und Themen in den Dialog mit ZeitzeugInnen und HistorikerInnen bringen, ausgehend von einer guten inhaltlichen Vorbereitung und auf Grundlage des jeweils aktuellen Forschungsstandes, den Heimo Halbrainer in all diesen Projekten stets profund recherchiert und lesbar einbringt. Aktuell bereiten wir den steirischen ZeitzeugInnenschatz gemeinsam mit Heimo Halbrainer und Peter Webhofer über Internet und Web 2.0 für die weltweite Nutzung auf.

Der Koffer der Adele Kurzweil und „Todesmarsch Eisenstraße“

„Der Koffer der Adele Kurzweil“, die im KZ Auschwitz tödlich endende Fluchtgeschichte des Grazer Mädchens Adele Kurzweil und ihrer Familie vor den Nazis, und das Erinnerungsprojekt „Todesmarsch Eisenstraße 1945“ markieren paradigmatisch eine gänzlich neue Erinnerungs- und Gedenkkultur in unserem Lande. Ausgehend von der zeitgeschichtlichen Expertise rücken die „ausgeblendeten Themen“ in Form von  Geschichtswerkstätten, Quellenrecherchen vor Ort und intergenerativen Dialogen ins öffentliche Bewusstsein, um ein differenziertes Verständnis von „politischem Handeln unter Nutzung der Zeitgeschichte“ zu erzeugen. Beide Erinnerungsprojekte verbinden den Verein CLIO mit unserer ARGE Jugend und mit mittlerweile erfreulich vielen Mitwirkenden an der Etablierung dieser neuen Form des „partizipativen Erinnerns und Gedenkens.“ Den roten Faden durch alle Kooperationsprojekte zwischen CLIO und der ARGE Jugend bildet ein universelles Überlebensthema der Menschheit: das „menschliche Handeln unter Zwangsbedingungen“, dargestellt in Form eines in Graustufen zu denkenden Kontinuums zwischen „konformistischem Mitmachen“ versus „Zivilcourage und Widerstand“, entfaltet in der diskursiven Verschränkung von „Persönlichkeit und Gesellschaft“.

 

Heimo Halbrainer und Oberst Oswald

Heimo Halbrainer und Oberst Oswald

 

Heimo: ein „Solitär“ der Zeitgeschichtsforschung

Werner Anzenberger, Mitherausgeber des Buches „Die Eisenstraße 1938 – 1945“, sagte zu mir im Rahmen der Preisverleihung im Weißen Saal der Grazer Burg: „Mit dieser Auszeichnung sind unsere Themen Widerstand und Verfolgung während der NS-Zeit in der Mitte der Gesellschaft angekommen!“ Der spiritus rector, Mentor und langjährige Freund Helmut Konrad bezeichnete Heimo in seiner brillanten und mit feinstem Humor gewürzten Laudatio als „Solitär“ der Zeitgeschichtsforschung, der sich zum Wissenschaftsbetrieb in kritischer Distanz verortet, allen „Jahrmärkten der Eitelkeiten und des vermeintlich Wichtigen“ jedoch im gelebten „Resistance-Geist“ mit bewundernswerter Konsequenz fernhielt, um genau das zu tun, was er mit allergrößter Begeisterung und Herzensenergie macht: unsere Zeitgeschichte zu erforschen und die Forschungsergebnisse unter die Menschen zu bringen. Lieber Heimo, wir gratulieren dir zu den beiden Auszeichnungen auf das Herzlichste und freuen uns auf noch viele weitere Projekte mit dir und dem Verein CLIO! Dein Freund Christian Ehetreiber

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